Historie

„Ein Näschen fürs Geschäft“

Die Geschichte von Wohn Schick



1945 - 1953:

Nach dem Krieg beginnt die ungewisse Zukunft.
Karl Schick und sein "Näschen fürs Geschäft"

 

 

Karl Schick erinnert sich, als wäre es gestern gewesen. Owingen nach dem Krieg, Ungewissheit, Chaos. Aber da war noch ein anderes Gefühl, an das sich der 90-Jährige erinnert: Trotz und Mut. Karl Schick begann damals, Pläne zu schmieden. Er hatte schon immer ein Näschen fürs Geschäft, das sollte sich jetzt auszahlen.

Zunächst pachtete Karl Schick das Gasthaus Rose. „Das Leben spielte sich damals in den Kneipen ab“, erzählt er. „Eine Wirtschaft war eine sichere Einnahmequelle, auch wenn das Bier gerade einmal drei Pfennig kostete.“ Karl Schick staubte die alte Kneipe ab, stellte einen Plattenspieler auf und baute den Raum um. Bald strömten die Gäste in das neue Lokal. Karl Schick stand mittags und abends hinter dem Tresen und schenkte Bier aus. Seine Großeltern, die früheren Kneipenbesitzer, standen ihm zur Seite. Doch der junge Mann hat noch ein zweites Leben, und das begann bereits früh am Morgen.

Im Pferdestall neben der Rose reparierte der gelernte Sattler Pferde- und Kuhgeschirr. Bald hat er noch eine neue Idee:

Mit Resten aus der Textilindustrie und einem Federkern stellte er eine dreiteilige Federkernmatratze her, die er unters Volk bringen wollte. Und Karl Schick wusste auch, wie er seine neue Geschäftsidee vermarkten konnte. „Dank der Rose wurde ich schnell bekannt. Ich informierte den Gemeinderat und klapperte die Häuser ab. Vor allem frisch verheirateten Paaren stattete ich einen Besuch ab.“ Sein Charme mag eine Rolle gespielt haben, jedenfalls wurde die Matratze zum Riesenerfolg. So fasste Karl Schick einen mutigen Entschluss.

Er und seine Frau Rosl ließen die Rose hinter sich und ziehen an den Ortsrand, wo sie 1950 ein Wohn- und Geschäftshaus errichteten. Karl Schick brauchte Platz, schließlich hatte er große Pläne. Er machte seinen Meister und zusammen mit einem Gehilfen und einen Lehrling eröffnete er eine Raumausstattung. Wohn Chic verkaufte Matratzen und später serienmäßig hergestellte Polstermöbel. Es war ein Schritt ins Ungewisse - doch Karl Schick hatte ein gutes Gefühl.

1954 - 1965:

Das Wirtschafts- und das Wohn Schick-Wunder

 

 

Bereits drei Jahre nach der Gründung beschäftigte Karl Schick 20 Mitarbeiter. Seine Frau Rosl baute eine Gardinenabteilung mit Näherei auf. Ständig muss Karl Schick anbauen, um die neuen Aufträge umzusetzen. „Wir bauten immer neue Baracken mit Wellblechdächern. Später ersetzen wir das Provisorium durch ein massives Haus, dann begann bereits wieder der Bau der nächsten Baracke“, erzählt Karl Schick. Die Fangemeinde der „chicen“ Möbel aus Owingen wuchs. Ab 1964 stellten die Wohn-Chic Mitarbeiter neue Modelle her – topmodern natürlich. Schwere Club-Sessel, Schlafsofas, edle, individuell für den Kunden angefertigte Garnituren, die schon mal mehr als 1.000 Mark kosteten. „Die Leute konnten sich wieder etwas leisten – und investierten in die Einrichtung“, erinnert sich Karl Schick.

Im zweiten Stock des neuen Gebäudes waren die Ausstellungsräume. Hier führte Karl Schick die neusten Wohntrends vor. Vom Bodenbelag bis zur Gardine – die Kunden waren begeistert und reisten von weit her an. So wucherte der Wohn Schick-Komplex am Ortsrand geradezu, genährt vom deutschen Wirtschaftswunder. Jeder neue Abschnitt ist bei der Einweihung bereits wieder zu klein. Der Fuhrpark wächst, Karl Schick sucht ständig nach neuen Mitarbeitern. Doch zum Festen hatte die Familie immer Zeit: „Bei jeder Neueröffnung luden wir sämtliche verfügbaren Politiker ein, Bürgermeister und Lokalprominenz. Die hielten dann Reden und es war immer ein großes Fest.“ Aber einen Tag wird Karl Schick nie vergessen: Den ersten Tag der offenen Tür.

1968:

 „Ich fühlte mich wie auf meiner eigenen Hochzeit“

 

 

Owingen im Ausnahmezustand. Die Autos reihten sich links und rechts entlang der Bürgersteige durch das ganze Dorf. Menschenmassen drängten in die Firma. Die örtliche Zeitung schrieb:

„Scharen von Besuchern erschienen; im oberen Teil der Hauptstraße kam es zu einer wahren Autoinvasion. Tausende von Besuchern schoben sich am Sonntag, Tag der offenen Tür, durch das Haus Schick um die neuen Räume zu besichtigen oder sich in der gemütlichen Schwarzwaldstube, die dem Ansturm nicht mehr gewachsen war, niederzulassen.“

Karl und Rosl Schick stehen an diesem Tag am Eingang – und kamen aus dem Händeschütteln nicht mehr heraus. „Ich war überwältigt“, erinnert sich Karl Schick. Seine Werbung auf Messen und bei Firmen, seine Reisen, sein Einsatz und seine Hartnäckigkeit hatten sich gelohnt. „Mir tat abends der Arm weh“, erinnert es sich. „Es war wie auf meiner eigenen Hochzeit.“

An diesem ersten Tag der offenen Tür in Owingen stellte Karl Schick auch die neuen Teppiche und die „Orient“-Abteilung vor. Auch damit hatte er offensichtlich den Nerv der Zeit getroffen. Seit diesem legendären Tag der offenen Tür, sind die geöffneten Sonntage bei Wohn Schick Tradition.

1969 - 1975:

 Die Wohn Schick Filiale im Supermarkt

 

 

Wohn Schick auf Expansionskurs. Um noch weitere Kundekreise zu erreichen, eröffnete Wohn Schick weitere Filialen. Die erste in Winterlingen im Jahr 1968. Das Besondere: Wohn Schick zieht in den Supermarkt Ideal, in dem es auch Lebensmittel und andere Einrichtungsabteillungen, aufgeteilt auf verschiedene Hallen, gibt.

Ab 1973 wirbt Wohn Schick mit der neuen Filiale in Ebingen – einem Stilmöbelhaus. Die erste Anzeige verrät, was die Kunden dort erwartet: 

„Erlesene Wohnkultur in vielen Stilrichtungen und Meisterwerken der Möbelkunst. In Altdeutsch, Rustikal, Barock, Chippendale und flämischer Nobelesse.“

Später eröffneten noch die Filialen in Horb und Winterlingen. Doch mit dem beginnenden Trend zu größeren Möbelhäusern wurden Sie wieder geschlossen. Vielen langjährigen Mitarbeitern sind die Außenstellen von Owingen jedoch noch in guter Erinnerung.

 

 

1975:

 Das große Jubiläum

 

 

Es war das zu diesem Zeitpunkt größte Fest. Das 25. Jubiläum feierte Wohn Schick tagelang. Trotz des Trubels hat Karl Schick Zeit, auf die vergangenen Jahre zurückzublicken. Darauf, was er seit den Anfängen im Pferdestall der Rose geschaffen hat. Inzwischen arbeiten 90 Mitarbeiter bei Wohn Schick – Tendenz weiter steigend.
In der Zeitung erscheint 1975 ein Porträt in dem die Firma und Karl Schick gewürdigt werden.

„Mit dem 1953 vollendeten neuen Geschäftshaus an der Hauptstraße Ortseingang, setzt eine Epoche für den jungen Polsterbetrieb ein (…) in der er Stufe um Stufe zu ein Betrieb entwickelt wurde, der von der Einmann-Werkstatt zum 90 Mitarbeiter zählenden Einrichtungshaus und zur Polstermöbelfabrik emporwuchs.  Aus dem einstigen Handwerksmeister Karl Schick, über dessen Schreibtisch heute noch der Meisterbrief hängt, entwickelte sich eine Unternehmerpersönlichkeit mit klarer Konzeption, mit geschäftlichem Weitblick, verbunden mit dem Mut zum Risiko. Und nicht nur das, der Betriebsinhaber

 packte von Anfang an bis heute selbst mit an. In seiner Gattin hatte er fast von Anfang an eine mitdenkende und erste recht mitschaffende Partnerin, der man heute einen großen Anteil an dieser wirtschaftlichen Leistung zusprechen darf.“ (Schwarzwälder Bote, 1975)

1975 - 1990:

 Die nächste Wohn-Schick Generation
und der nächste Schritt ins Ungewisse

 

 

Nach dem großen Jubiläum veränderte sich das Geschäft. Wohn Schick, seit der Gründung eine Baustelle, hatte die Grenzen des Wachstums erreicht. Die Konkurrenz auf dem Markt wuchs. Hubert Schick, ältester Sohn Karl Schicks, sah, dass sich die Herstellung eigener Möbel bald nicht mehr lohnen würde. Der Bankkaufmann und studierte Möbelwirt versuchte Karl Schick von einem großen Schritt zu überzeugen.

„Für mich war klar, dass wir uns von der Herstellung trennen und uns auf den Einzelhandel konzentrieren mussten. Für meinen Vater war das natürlich ein schwerer Schritt“, erinnert sich Hubert Schick. Noch liefen die Wohn Schick Mitarbeiter in weißen Kitteln durchs Geschäft – Wohn Schick war eine Möbel-
fabrik, aufgebaut vom gelernten Sattler Karl Schick. Schweren Herzens gibt
der Firmengründer auf Raten seines Sohnes seine Produktion auf.  

Hubert Schick behielt mit seiner Prognose recht. Viele Möbelproduzenten hielten der günstigen Konkurrenz nicht stand – doch Wohn Schick blieb an der Hauptstraße in Owingen wie ein Fels in der Brandung.

Später treten die beiden jüngeren Geschwister Doris Christ und Helmut Schick in das Geschäft ein. Auch sie sollten noch große Veränderungen zu bewältigen haben. Doris Christ baut die Geschenk- und Dekorationsabteilung, die Boutique auf. Helmut Schick wird sein Büro bald an einem neuen Wohn Schick Standort beziehen.
1990 - 1993:

Die Möbelwelt verändert sich – Wohn Schick zieht mit

 

 

Die Wende schafft neue Möglichkeiten. Der Einzelhändler Möbel Merz aus Rottweil sucht sein unternehmerisches Glück im Osten Deutschlands – und stellt sein Möbelhaus zum Verkauf. Hubert Schick erinnert sich, was Wohn Schick zu dem großen Schritt bewogen hat: „Das Möbelhaus hatte die perfekte Größe, die Lage war optimal um das Kundengebiet weiter Richtung Bodensee und Schweiz auszubauen.“ Das Owinger Unternehmen übernimmt den Rottweiler Riesen und Helmut Schick die Hausleitung. Heute gehört das Rottweiler Haus zu den modernsten und erfolgreichsten Möbelhäusern in Süddeutschland.

Ein Highlight in Rottweil war auch die neue Boutique. Doris Christ erschuf sie aus dem Nichts. „Es gab keine Vorgaben, keine Vorbilder, also gestaltete ich die Boutique nach meinen Vorstellungen.“ Sie nimmt zum ersten Mal auch Haushaltswaren mit ins Sortiment auf. „Die großen Firmen wollten am Anfang nichts von uns wissen. Heute haben wir uns einen Namen gemacht.“ Auch in Owingen hatte Doris Christ ein Händchen zum Einrichten bewiesen. „Alles begann mit der Dekoration von leer stehenden Regalen“, erinnert sie sich.

Bis zur heutigen Boutique mit der Bilderabteilung, den vielen Geschenkartikeln und Haushaltswaren war es ein langer Weg. Dabei bewies auch die Tochter Karl Schicks ein Näschen fürs Geschäft: „Als ich zum Beispiel zum ersten Mal die Diddl-Mäuse sah, ahnte ich irgendwie, dass sie einschlagen werden.  Ich nahm sie mit ins Sortiment auf – es war einer der erfolgreichsten Artikel aller Zeiten.“

2000 - 2015:

Der kleine Bruder K-Markt

 

 

Die Zeiten, in denen ein Sofa das ganze Leben im Wohnzimmer stand, sind vorbei. Das Möbelgeschäft wird schnelllebiger, die Konkurrenz größer, der Preiskampf härter. Wohn Schick reagierte auf die neue Zeit mit der Gründung der Mitnahmemärkte. Das „K“ im K-Markt hatte dabei verschiedene Bedeutung. Zum einen steht es für „Konsequent günstig“ oder auch für „Karl“ und damit als Erinnerung an den Firmengründer. Auch die Kombination „Knallhart kalkuliert“ soll eine Rolle bei der Namensfindung gespielt haben.

Wie die Haupthäuser sind die K-Märkte Vollsortimenter. Das heißt, es gibt alles von der Küche über die Boutique bis zu Garnituren, Bäder, Teppiche.  Am Anfang sollten die K-Märkte vor allem eine günstige Alternative sein. Der Preis bestimmte das Angebot. Doch der Kreis der K-Markt-Kunden wuchs schnell – und mit ihnen die Ansprüche.

„K-Markt ist heute nicht mehr nur günstig, sondern genauso schick“, erklärt Hubert Schick. „Wir haben heute einen optischen Anspruch, das heißt aber auch, dass die Ware dementsprechend präsentiert werden muss und Platz

braucht.“ So wurden 15 Jahre nach der Geburt der K-Märkte die Gebäude wieder zu klein. 2013 wurde der K-Markt Owingen um 1.000 Quadratmeter erweitert, 2015 bekam auch der Rottweiler K-Markt einen großen Neuanbau und erstreckt sich jetzt auf 3.500 Quadratmetern.  

So gab es seit 1950 wenige Jahre bei Wohn Schick, in denen keine großen Herausforderungen, Baustellen oder Veränderungen anstanden. Oder wie Geschäftsführer Hubert Schick zu sagen pflegt: „Nichts ist beständiger als die Veränderung.“ Inzwischen ist die dritte Generation in den Familienbetrieb eingetreten. Zusammen schreibt die Familie Schick die Geschichte weiter, deren erstes Kapitel vor 65 Jahren mit Karl Schick in einem Owinger Pferdestall begann.